Ich habe noch gestern Nacht vom Tod Michael Jacksons erfahren. So traurig der Anlass für viele ist, so interessant sind doch die Einblicke in die Wirkmechanismen der “Netizens” (Netzbewohner) bei einer solchen Nachricht.
Ich selbst erfuhr vom Tod Michael Jacksons beim nächtlichen Durchstöbern meines überwiegend mit Blogs gefüllten Feedreaders. Die Nachricht las ich bei nerdcore.de. Unwillkürlich konnte ich die Nachricht zuerst nicht glauben. Der erste Ort, den ich ansteuerte, um die Nachricht zu verifizieren war nicht etwa eine “seriöse” Quelle, sondern Twitter. Anhand meiner Timeline und den “Trending Topics” ahnte ich, dass es offenbar stimmte. Erst dann las ich bei einer traditionellen Nachrichtenquelle, namentlich tagesschau.de, Details nach. Bis zum Zubettgehen schaute ich — als persönlicher Akt der Kondolenz — noch einige Michael Jackson-Videos bei YouTube. Auch die Videoseiten dort waren bereits voll mit Beileidsbekundungen (und den ersten Trollereien).
Michael Jacksons Tod für sich genommen ist traurig. Aber gerade an einem solchen Thema, das die Menschen auf der Welt bewegt kann man erkennen, welche Wege sich Informationen im Jahr 2009 suchen, zumindest unter dem webaffinen Teil der Menschen: Das Internet, besonders Echtzeitdienste wie Twitter oder die stets zeitnah reagierenden Weblogs, die die Möglichkeit beinhalten zu kommentieren, seiner Meinung und Stimmung Ausdruck zu verleihen.
Viele nutzten diese Möglichkeit: Insbesondere die Generation unter 35, die mit der Musik Michael Jacksons aufgewachsen ist, tummelt sich vorzugsweise in Blogs und auf Twitter herum, nutzt das Netz als selbstverständlichen Teil des Alltags. Der Dienst Twist, der sich mit Trendthemen auf Twitter befasst, berichtet dass Tweets zum Tod Michael Jacksons zeitweise eine Zahl von 25.000 pro Minute erreichten, ein Prozentsatz von bis zu 20 % aller Tweets. Laut Zeit Online hat die Nachricht von Michael Jacksons Tod fast die Server von Twitter abstürzen lassen, so dass zeitweise die interne Suchfunktion abgeschaltet werden musste.

Statistik zum Begriff “Michael Jackson” auf Twitter
Andere Websites waren laut TechCrunch zeitweise gar nicht erreichbar, etwa das AOL-Klatschblog TMZ, das zuerst über den Herzstillstand von Michael Jackson berichtete, ebenso die Website der LA Times.
Der Musikdienst Last.fm, der seine Nutzer den eigenen Musikkonsum protokollieren lässt und als Statistiken aufbereitet, zeigt in seinem Flickr-Account ebenfalls eine bemerkenswerte Statistik: Momentan spielen die Last.fm-Nutzer knapp 50.000 Tracks von Michael Jackson pro Stunde auf ihren Playern. Tendenz: steigend.

Last.fm: Statistik zu gespielten Michael Jackson-Tracks
Beliebteste Songs derzeit sind Billie Jean, Beat It und Thriller.
Auch bei uns in den Firmenräumen läuft zum Ausklang der Areitswoche gerade “Billie Jean”. So interessant Statistiken sein mögen, andert es doch nichts daran, dass Michael Jackson nicht mehr lebt. Wir trauern.
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Ein Trackback
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